Welche Schutzausrüstung braucht man beim Niederdruckstrahlen?
Beim Niederdruckstrahlen entsteht nicht nur Abrieb am Werkstück. Alte Farbe löst sich, Rost wird aufgebrochen, trockener Schmutz wird aus Poren, Fugen und Kanten herausgetragen. Diese Partikel landen in der Luft und gehören nicht in die Atemwege.
Das gilt beim Restaurieren eines Möbelstücks genauso wie beim Reinigen von Fensterläden, Metallteilen oder alten Balken. Das Strahlmittel ist dabei nur ein Teil des Staubs. Die größere Unsicherheit liegt in der Oberfläche selbst: alte Lacke, frühere Beschichtungen, Rost, Ölreste oder Verunreinigungen lassen sich von außen nicht immer sicher einschätzen.
Schutzausrüstung gehört deshalb fest zum Setup. Nicht als Zubehör am Rand, sondern als Arbeitsmittel wie Kompressor, Düse und Strahlmittel.

Welche Atemschutzmaske sollte man beim Strahlen wählen?
Beim Niederdruckstrahlen wird feines Strahlmittel mit Druckluft auf die Oberfläche geführt. Farbe, Rost, Lackreste und Staub werden gelöst und verteilen sich im Arbeitsbereich.
Moderne Strahlmittel für das Niederdruckstrahlen enthalten normalerweise keine freie Silica. Atemschutz bleibt trotzdem Pflicht. Der gefährlichere Staub stammt häufig aus dem alten Material auf dem Werkstück.
Bei alten Möbeln, Metallteilen, Fassaden, Geländern oder Fensterläden ist selten klar, welche Beschichtungen früher verwendet wurden. Genau dort liegt das Risiko.
Atemschutz für gelegentliche Arbeiten
Für einzelne Möbelstücke, Fensterläden oder kleinere Metallteile kann eine geschlossene Schutzhaube mit Visier ausreichen, wenn draußen oder in einem gut belüfteten Bereich gearbeitet wird.
Der Arbeitsbereich sollte offen bleiben. Staub darf sich nicht in einer kleinen Garage oder einem geschlossenen Raum sammeln. Bei längeren Einsätzen wird die Belastung höher, auch wenn mit niedrigem Druck gearbeitet wird.
Nach der Arbeit gehört die Schutzhaube aus dem staubigen Bereich. Liegt sie offen neben dem Werkstück, setzt sich feiner Staub innen ab und landet beim nächsten Einsatz direkt vor Gesicht und Atemwegen.
Atemschutz für regelmäßige oder professionelle Nutzung
Bei wiederkehrenden Strahlarbeiten braucht es mehr Schutz. Eine belüftete Vollmaske mit P3-Filter nach NF EN 143 ist hier die sinnvollere Basis.
Bei langen Einsätzen, großen Kompressoren oder hoher Luftleistung wird ein Frischluftsystem mit Atemluftzufuhr nach NF EN 14594 relevant. Die Atemluft kommt dann nicht aus dem staubigen Arbeitsbereich.
Systeme wie der Nova 3 von GVS-RPB werden in diesem Bereich häufig eingesetzt.
Wie schützt man sich beim Strahlen richtig?
Atemschutz allein reicht nicht aus. Beim Strahlen treffen Strahlmittel, gelöste Partikel und Staub auf Hände, Kleidung, Augen, Haut und Gehör.
Kleidung, Handschuhe und Schuhe
Die passende Kleidung hängt vom Arbeitsumfang und vom Material ab. Ein Möbelstück im Außenbereich stellt andere Anforderungen als eine längere Arbeit an Fachwerk, Metallteilen oder einer Fassade.
- Für gelegentliche Arbeiten reichen lange Kleidung, feste geschlossene Schuhe und robuste Handschuhe. Abgestrahlte Partikel können scharfkantig sein.
- Bei regelmäßigen Arbeiten ist ein geschlossener Schutzanzug gegen Staub sinnvoll. Abriebfeste Handschuhe schützen besser, wenn länger an Kanten, Rost oder rauen Bauteilen gearbeitet wird.
- Im professionellen Bereich werden wasser- und staubdichte Schutzanzüge, Sicherheitsschuhe und verstärkte Handschuhe eingesetzt.
Gehörschutz nicht vergessen
Die Lärmbelastung kommt meist nicht vom Strahlgerät selbst, sondern vom Kompressor. Je nach Leistung, Standort und Raumakustik wird es schnell unangenehm laut.
Selbst kleinere Kompressoren können die Marke von 85 Dezibel überschreiten. Größere Anlagen, harte Böden und geschlossene Werkstätten verstärken den Effekt.
Ohrstöpsel oder Kapselgehörschutz gehören deshalb zur Grundausstattung.
Warum das Thema Sicherheit unterschätzt wird
Beim Kauf stehen häufig Gerät, Druck, Kompressor und Strahlmittel im Vordergrund. Der Schutz wird später ergänzt. Auf der Baustelle oder in der Werkstatt ist diese Reihenfolge ungünstig.
Staub entsteht direkt am Material. Alte Lackschichten brechen auf, Rost zerfällt, trockener Schmutz wird aus Fugen gelöst. In geschlossenen Räumen bleibt diese Belastung länger in der Luft.
Besondere Vorsicht gilt bei:
- Arbeiten in geschlossenen oder schlecht belüfteten Räumen
- höherem Arbeitsdruck oder großen Luftmengen
- längeren und regelmäßigen Einsätzen
- alten Lacken, unbekannten Beschichtungen oder stark verschmutzten Bauteilen
Zur Grundausstattung beim Strahlen gehören mindestens:
- lange Arbeitskleidung oder Schutzanzug
- geschlossene Schuhe
- Handschuhe
- Gehörschutz
- Gesichts- oder Atemschutz mit Schutz für Augen, Nase und Mund
Übersicht der empfohlenen Schutzausrüstung
| Einsatzbereich | Privat | Handwerk | Professionell |
|---|---|---|---|
| Arbeitsumfang | Gelegentlich | Regelmäßig | Täglich |
| Typische Arbeiten | Möbel, Fensterläden, kleine Metallteile | Werkstatt, Fahrzeugteile, Balken | Fassaden, Industrie, Lohnstrahlen |
| Arbeitsumgebung | Draußen oder gut belüftet | Offene Werkstatt / Außenbereich | Strahlkabine / größere Werkstatt |
| Typische Konfiguration | 3 bis 4 PS Kompressor 2 bis 3 bar |
5 bis 10 PS Kompressor 2 bis 5 bar |
12 PS und mehr 2 bis 8 bar |
| Empfohlene Kleidung | Lange Kleidung | Staubdichter Schutzanzug | Wasser- und staubdichter Schutzanzug |
| Schuhe | Geschlossene Schuhe | Sicherheitsschuhe | Rutschfeste Sicherheitsstiefel |
| Handschutz | Handschuhe | Abriebfeste Handschuhe | Verstärkte Handschuhe |
| Gehörschutz | Ohrstöpsel | Ohrstöpsel oder Kapselgehörschutz | Kapselgehörschutz |
| Atemschutz | Schutzhaube mit Visier | Vollmaske mit P3-Filtern | Frischluftsystem mit Atemluftzufuhr |
Zusätzlich sollte vor der Arbeit geprüft werden, ob das verwendete Strahlmittel frei von gesundheitsschädlicher Silica ist. Bei alten Beschichtungen bleibt trotzdem Vorsicht nötig, weil der Staub aus dem Werkstück selbst entsteht.
Für professionelle Anwender
Wer beruflich strahlt oder regelmäßig Restaurierungsarbeiten übernimmt, sollte die geltenden Sicherheitsvorschriften und Arbeitsschutzmaßnahmen vor dem Einsatz prüfen.
Weitere Informationen finden Sie unter anderem bei:
- der DGUV
- der zuständigen Berufsgenossenschaft
- der Arbeitsmedizin oder Fachkraft für Arbeitssicherheit
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