Holzboden strahlen – Parkett schonend reinigen und freilegen mit einer Aeroradier/Niederdruckstrahl-Anlage

Alte Lackschichten, dunkle Laufspuren oder stumpfe Versiegelungen verändern den Charakter eines Holzbodens deutlich. Bei Parkett aus Eiche, Kiefer oder Buche sitzen Wachs, Öl, Lack oder alte Farbe mit der Zeit tief in der Oberfläche. Kratzer, Flecken und matte Bereiche lassen sich dann nicht mehr mit einer normalen Reinigung entfernen.
 
Wenn ein Parkettboden wieder freigelegt werden soll, reicht Pflege allein nicht mehr aus. Dann geht es um das Entfernen alter Schichten, ohne die Nutzschicht unnötig abzutragen. Neben Schleifen, chemischen Abbeizern oder Heißluft kommt dafür auch Niederdruck-Strahlen infrage. Im Bereich solcher feinen Strahlverfahren taucht inzwischen auch der Begriff Aeroradier-Strahlen auf.


Parkett aus Holz vor und nach dem Niederdruck-Strahlen

Warum sollte man Parkett aus Holz entlacken?

Beim Entlacken eines Parketts werden alte Oberflächenschichten entfernt: Lack, Versiegelung, Wachs, Öl oder Farbe. Darunter kommt wieder das eigentliche Holz zum Vorschein. Vor allem bei älteren Böden liegen unter vergilbten Lackschichten häufig noch schöne Holzfarben und Maserungen.

Eine Bearbeitung wird vor allem dann sinnvoll, wenn:

  • alte Lack- oder Wachsschichten abblättern oder beschädigt sind;
  • der Boden stark verschmutzt ist und normale Reinigung nicht mehr ausreicht;
  • die Oberfläche von Wachs auf Lack, Öl oder eine andere Finish-Art umgestellt werden soll;
  • tiefe Kratzer, Laufspuren oder Flecken sichtbar bleiben;
  • der Holzton verändert oder neu aufgebaut werden soll.

Bei einem sauberen Abtrag wird die Oberfläche nicht nur optisch heller. Das Holz nimmt später auch neue Öle, Lacke oder Versiegelungen gleichmäßiger auf. Alte Rückstände in Fugen und Poren stören sonst die neue Oberfläche.

Die verschiedenen Methoden zum Entlacken von Parkett

Chemisches Entlacken mit Abbeizer

Chemische Abbeizer lösen alte Lacke, Farben oder Wachsschichten an. Das Material wird weich und muss anschließend mit Spachtel, Tuch oder Bürste entfernt werden.

Bei gewachstem Parkett kommen manchmal Entwachser oder alkalische Mischungen zum Einsatz. Danach wird in Faserrichtung gearbeitet und der Boden mit warmem Wasser oder passenden Reinigern nachbehandelt. In Fugen zwischen den Dielen bleiben Rückstände trotzdem schnell sitzen.

  • Der Vorteil: Dicke oder weiche Schichten lassen sich damit anlösen.
  • Der Nachteil: Chemie, Geruch, Wartezeit und anschließende Reinigung gehören immer dazu.

Thermisches Entlacken

Ein Heißluftgerät erwärmt Lack oder Farbe, bis die Schicht weich wird. Danach muss sie mit einer Spachtel abgetragen werden. Auf kleinen Flächen funktioniert das, bei größeren Parkettflächen wird die Arbeit sehr zäh.

Bei Holz kommt ein weiteres Problem dazu: Zu viel Hitze hinterlässt dunkle Stellen oder beschädigt alte Fugen. Alte Lacke können beim Erhitzen außerdem unangenehme Dämpfe freisetzen.

Schleifen mit der Schleifmaschine

Schleifen ist die klassische Methode für Parkett. Grobe Körnungen wie 40 bis 60 nehmen alte Schichten ab, mittlere Körnungen gleichen die Oberfläche aus, feine Körnungen bereiten die spätere Versiegelung vor.

Die Methode ist zuverlässig, trägt aber immer Holz ab. Bei dünner Nutzschicht, alten Dielen oder mehrfach renoviertem Parkett zählt jeder Millimeter. An Rändern, Ecken und Übergängen braucht es zusätzlich eine Rand- oder Eckenschleifmaschine. Zwischen den Schleifgängen muss gründlich abgesaugt werden, damit Schleifstaub keine Spuren in der nächsten Körnung hinterlässt.

Niederdruck-Strahlen: eine Alternative für Parkett

Was passiert beim Niederdruck-Strahlen?

Beim Niederdruck-Strahlen wird ein feines Strahlmittel mit Druckluft auf die Oberfläche gebracht. Lack, alte Versiegelungen, Wachs oder Farbe lösen sich aus der Holzoberfläche, ohne dass mit Schleifpapier flächig Material abgetragen wird.
Die Anlage wird an einen Kompressor angeschlossen. Über eine Düse trifft das Luft-Strahlmittel-Gemisch auf den Boden. Druck, Abstand und Körnung entscheiden darüber, wie stark die Oberfläche bearbeitet wird. Bei Parkett wird deshalb mit niedrigerem Druck und feinerem Strahlmittel gearbeitet.
 
 

Was bringt Niederdruck-Strahlen bei Parkett?

Weniger Abtrag: Der feine Strahl löst alte Beschichtungen, ohne die Holzschicht so stark abzutragen wie ein grober Schleifgang. Das ist vor allem bei älteren Böden mit begrenzter Nutzschicht relevant.

Arbeiten in Fugen und Randbereichen: Alte Wachse und Lackreste sitzen häufig zwischen den Dielen oder an Übergängen zu Sockelleisten. Eine Düse kommt dort gezielter hin als eine große Schleifmaschine.

Geeignet für unterschiedliche Oberflächen: Lack, Wachs, Öl oder Farbe reagieren nicht gleich. Mit Druck und Strahlmittel lässt sich die Bearbeitung anpassen.

Auch für andere Renovierungsarbeiten nutzbar: Die gleiche Anlage kann später auch an Türen, Balken, Treppen oder Naturstein eingesetzt werden, wenn Strahlmittel und Druck zur Oberfläche passen.

Kein Hitzestau: Das Verfahren arbeitet ohne Heißluft. Alte Lackschichten werden nicht erhitzt und das Holz wird nicht thermisch belastet.

Erhalt der Nutzschicht: Bei Parkett entscheidet die verbleibende Holzstärke darüber, wie oft ein Boden noch renoviert werden kann. Weniger Materialabtrag lässt mehr Reserve für spätere Arbeiten.

Parkett mit einer Strahlanlage entlacken: die Arbeitsschritte

Vorbereitung 

Vor dem Strahlen muss der Raum leer und sauber vorbereitet werden. Feiner Staub setzt sich sonst in Sockelleisten, Heizkörpern, Steckdosen und Türfugen fest.

  • Möbel und lose Gegenstände aus dem Raum entfernen;
  • Sockelleisten, Heizkörper und Steckdosen abkleben;
  • Türen mit Folie abdichten, damit sich Staub nicht in angrenzenden Räumen verteilt;
  • Fenster öffnen oder für passende Belüftung sorgen.
Der Boden sollte vor Beginn genau geprüft werden:

  • lose, gerissene oder beschädigte Dielen markieren;
  • Fugen, alte Reparaturstellen und dunkle Laufbereiche prüfen;
  • die vorhandene Oberfläche einordnen: Lack, Öl, Wachs, Farbe oder Versiegelung;
  • an einer unauffälligen Stelle testen, wie fest die alte Schicht sitzt;
  • den Boden gründlich absaugen;
  • bei Bedarf mit einem milden, holzgeeigneten Reiniger säubern;
  • vollständig trocknen lassen. Zu feuchtes Holz reagiert beim Strahlen ungleichmäßig.

Auswahl der Strahlanlage und des Kompressors

Die passende Anlage richtet sich nach der Fläche und nach der gewünschten Arbeitsdauer:

  • Für kleine Flächen bis etwa 5 m²: eine kompakte Anlage wie AEROCAP 301 oder AEROCAP 501;
  • Für 5 bis 8 m²: AEROCAP 801 mit einem passenden Kompressor;
  • Für größere Flächen: AEROCAP 1001 mit entsprechend stärkerer Luftleistung.

Der Kompressor muss genügend Luft liefern. Für kleine Anlagen wird meist mindestens etwa 300 l/min benötigt, bei größeren Flächen entsprechend mehr. Fällt die Luftmenge während der Arbeit ab, wird das Strahlbild unruhig und der Abtrag ungleichmäßig.

Auf unserer Website gibt es auch „Komplettsets zum Strahlen“ mit Strahlanlage, Kompressor und Strahlmittel.

AEROCAP Strahlanlage


Das passende Strahlmittel wählen

Das Strahlmittel entscheidet stark über das Ergebnis. Zu grobe Körnung reißt weiche Holzbereiche auf. Zu feines Material entfernt dicke Schichten nur langsam. Der Zustand des Parketts und die alte Beschichtung geben deshalb die Richtung vor.

Garnet ist ein natürliches, vielseitiges Strahlmittel und wird in verschiedenen Körnungen eingesetzt:

  • Garnet: universelles mineralisches Strahlmittel in verschiedenen Körnungen;
  • Garnet 400 Mesh: sehr feine Arbeiten und empfindliche Oberflächen;
  • Garnet 200 Mesh: weicheres Holz und vorsichtiger Abtrag;
  • Garnet 120 Mesh: Standardbereich für viele Parkettarbeiten;
  • Garnet 80 Mesh: widerstandsfähige Böden und dickere Lackschichten;
  • Garnet 30/60 Mesh: sehr robuste Oberflächen und dicke Farbschichten, bei Parkett nur mit Vorsicht;
  • Nussschalengranulat: für empfindlichere Oberflächen und kontrollierten Abtrag;
  • Natron: für Reinigung, Entfettung und leichten Abtrag ohne starke Abrasion.

Bei altem Parkett funktioniert eine mittlere Körnung häufig kontrollierter als ein sehr grobes Strahlmittel. Garnet 80 oder 120 Mesh ist für viele Böden ein sinnvoller Startpunkt. Bei weichem Holz oder dünner Nutzschicht sollte vorsichtiger getestet werden.

Sicherheitsausrüstung

Beim Strahlen entstehen Staub und zurückprallende Partikel. Deshalb gehört Schutzausrüstung immer dazu:

  • Atemschutzmaske mit passendem Filter oder Vollmaske;
  • Schutzbrille oder Visier;
  • abriebfeste Handschuhe;
  • Arbeitsanzug oder robuste Arbeitskleidung.

Einstellungen der Strahlanlage


Arbeitsdruck:

  • mit niedrigem Druck beginnen, etwa 1 bis 2 bar;
  • an einer unauffälligen Stelle testen und nur schrittweise erhöhen;
  • bei Parkett nicht über 4 bar arbeiten, damit das Holz nicht unnötig aufgeraut oder ausgewaschen wird.

Strahlmitteldosierung:

  • die Dosierung über die Kontrollvorrichtung der Anlage einstellen;
  • zu wenig Strahlmittel verlängert die Arbeit;
  • zu viel Strahlmittel erhöht Verbrauch und Rückprall, ohne automatisch sauberer zu arbeiten.

Abstand und Winkel:

  • die Düse etwa 15 bis 30 cm über der Oberfläche führen;
  • mit flachem Winkel arbeiten, damit der Abtrag kontrollierter bleibt;
  • Winkel und Abstand nach Holzart und alter Beschichtung anpassen.
 

Technik beim Entlacken mit der Strahlanlage


  • den Raum in überschaubare Arbeitsbereiche aufteilen;
  • Ränder und Ecken zuerst bearbeiten;
  • in gleichmäßigen Bahnen arbeiten;
  • möglichst in Faserrichtung beziehungsweise Dielenrichtung arbeiten;
  • die Düse ruhig führen und nicht auf einer Stelle stehen bleiben;
  • Bahnen leicht überlappen, damit keine sichtbaren Übergänge entstehen.

Nachbearbeitung nach dem Strahlen

 
  • den Boden gründlich absaugen;
  • restlichen Staub mit einem leicht feuchten Tuch aufnehmen;
  • den Boden vollständig trocknen lassen, mindestens 24 Stunden;
  • danach je nach gewünschter Optik ölen, wachsen, lackieren oder neu versiegeln.