Natursteinmauer reinigen und neu verfugen – so geht’s richtig

Natursteinwände bringen Charakter in Innenräume und verleihen Fassaden eine besondere Ausstrahlung. Gleichzeitig brauchen sie mit den Jahren Pflege. Fugen bröckeln, dunkle Ablagerungen setzen sich fest und Feuchtigkeit zieht langsam ins Mauerwerk. Statt direkt einen Fachbetrieb zu beauftragen, lässt sich vieles selbst umsetzen. Hier erfahren Sie, wie Sie eine Natursteinwand reinigen und neu verfugen können – und warum dabei heute häufig mit Niederdruck-Strahltechnik gearbeitet wird.

 

Warum sollte man eine Natursteinwand reinigen und neu verfugen?

 
Bevor Sie mit der Renovierung beginnen, lohnt sich ein genauer Blick auf den Zustand der Wand.

  • Fugen fehlen oder lösen sich langsam auf;
  • die Steine wirken dunkel oder verschmutzt;
  • Feuchtigkeit zieht über beschädigte Fugen ins Mauerwerk;
  • einzelne Steine sitzen nicht mehr fest.
Gerade bei älteren Natursteinwänden tauchen diese Probleme oft schleichend auf. Anfangs fallen nur kleine Risse oder dunkle Stellen auf. Mit der Zeit beginnt die Oberfläche zu arbeiten.

Eine Renovierung lohnt sich aus mehreren Gründen:

  • Neue Fugen schützen das Mauerwerk dauerhaft vor eindringender Feuchtigkeit;
  • offene Fugen führen häufig zu Wärmeverlusten;
  • eine gereinigte Natursteinwand verändert den gesamten Eindruck eines Raumes oder einer Fassade;
  • gleichzeitig stabilisieren neue Fugen die gesamte Wandkonstruktion.

Kann man eine Natursteinwand sandstrahlen? Die verschiedenen Reinigungsmethoden

Hochdruck-Sandstrahlen: für Naturstein meist zu aggressiv

Klassisches Hochdruck-Sandstrahlen wird vor allem auf Industriebaustellen oder bei sehr widerstandsfähigen Oberflächen eingesetzt. Dabei wird das Strahlmittel mit hoher Kraft auf die Fläche geschossen.

Für alte Natursteinwände ist dieses Verfahren meist ungeeignet.

Vor allem Kalkstein, Sandstein oder ältere Natursteine reagieren empfindlich auf zu hohen Druck. Kanten brechen aus, Oberflächen werden rau und weiche Bereiche tragen sich schnell ab.

Niederdruck-Strahlen: kontrollierte Reinigung statt aggressivem Abtrag

Beim Niederdruck-Strahlen – teilweise auch als Aeroradier-Strahlen bezeichnet – wird ein feines Strahlmittel mit Druckluft bei deutlich geringerem Druck auf die Oberfläche gebracht. Genau das macht die Methode für Naturstein interessant.

Für Steinwände ergeben sich daraus mehrere Vorteile:
 
  • Die Oberfläche lässt sich reinigen, ohne alte Steine unnötig anzugreifen.
  • Der Druck kann je nach Zustand der Wand deutlich feiner eingestellt werden als beim klassischen Sandstrahlen.
  • Je nach Steinart kommen unterschiedliche Strahlmittel infrage – zum Beispiel Natron, Korund oder Glasperlen.
  • Gerade im Innenbereich entsteht deutlich weniger Belastung als bei klassischen Baustellenverfahren.
`Deshalb wird das Verfahren heute nicht mehr nur im Handwerk eingesetzt. Auch bei privaten Renovierungen arbeiten viele inzwischen mit kompakten Niederdruck-Strahlanlagen, um freigelegte Natursteinwände schonend zu reinigen.

Mit Niederdruck-Strahltechnik gereinigte Natursteinwand


 

Wie reinigt man eine Natursteinwand mit Niederdruck-Strahltechnik?

Die passende Strahlanlage wählen

Je nach Wandgröße eignen sich unterschiedliche Geräte:

Die einzelnen Reinigungsschritte

 
  1. Arbeitsbereich vorbereiten und Fenster, Pflanzen oder Möbel abdecken;
  2. zunächst an einer unauffälligen Stelle Druck und Strahlmittel testen;
  3. immer abschnittsweise arbeiten und nicht zu lange auf derselben Stelle bleiben. Mehrere sanfte Durchgänge liefern meist das bessere Ergebnis;
  4. anschließend die Wand reinigen und mehrere Tage trocknen lassen, bevor neu verfugt wird.


Natursteinwand vor und nach der Reinigung
 

Wie verfugt man eine Natursteinwand neu?

Neue Fugen beeinflussen nicht nur die Stabilität der Wand. Sie prägen auch die gesamte Optik. Alte oder beschädigte Fugen lassen Feuchtigkeit ins Mauerwerk eindringen. Besonders bei älteren Häusern zeigen sich dann oft dunkle Stellen, Risse oder lose Bereiche.

Zustand der Wand prüfen

Vor Beginn der Arbeiten sollte die Wand genau geprüft werden.

Achten Sie auf lockere Fugen, unterschiedliche Steinstrukturen und alte Zementreste.

Danach wird die Oberfläche mit einer Bürste oder mit Niederdruck-Strahltechnik gereinigt. Gerade stark verschmutzte Natursteinwände lassen sich so deutlich gleichmäßiger vorbereiten. Wichtig ist, den Arbeitsbereich vorher gut abzudecken.

Alte Fugen entfernen

Damit neue Fugen dauerhaft halten, müssen alte Fugen zunächst entfernt werden – meist etwa 2 bis 3 cm tief.

Je nach Material kommen Hammer und Meißel oder kleine Elektrowerkzeuge zum Einsatz. Gerade bei weichen Steinen lohnt sich vorsichtiges Arbeiten.

Danach die Wand gründlich entstauben und vollständig trocknen lassen.

Neuen Mörtel auftragen

Der Mörtel verbindet die einzelnen Steine dauerhaft miteinander.

Bei älteren Natursteinwänden wird meist mit natürlichem Kalkmörtel gearbeitet (NHL 3,5 oder NHL 5). Das Material bleibt diffusionsoffen und passt besser zu historischem Mauerwerk.

Wasser nach und nach zugeben, bis eine geschmeidige Masse entsteht.

Die Fugen anschließend mit Kelle oder Fugeneisen sauber ausfüllen.

Sobald der Mörtel leicht anzieht, kann die Oberfläche je nach gewünschter Optik geglättet oder leicht ausgebürstet werden.

Trocknung und Finish

Die Wand anschließend langsam trocknen lassen und direkte Sonneneinstrahlung vermeiden.

  • Im Außenbereich schützt eine atmungsaktive Plane die frischen Fugen in den ersten 48 Stunden;

  • im Innenbereich regelmäßig lüften.

Danach genügt meist ein leichtes Abbürsten der Oberfläche.


3 Dinge, die Sie unbedingt vermeiden sollten

 

  1. Keine aggressiven Chemikalien verwenden – sie greifen Naturstein und Kalkfugen an;
  2. keinen Hochdruckreiniger einsetzen, da Druck und Wasser alte Fugen schnell beschädigen können;
  3. nicht bei großer Hitze oder dauerhaft feuchtem Wetter arbeiten.

Expertenhinweis:

„Eine Natursteinwand neu zu verfugen ist deutlich zugänglicher, als viele denken. Entscheidend ist vor allem die Vorbereitung. Alte Fugen sauber entfernen, die Oberfläche richtig reinigen und anschließend einen passenden Kalkmörtel verwenden. Gerade bei älteren Natursteinwänden sieht man den Unterschied oft schon nach den ersten Quadratmetern.“